Christuskirche Utting

Junge Frau feierte ihren 80sten

Die Christuskirche Utting und ihre Geschichte

Am 10. Juli 2007 hat sie ihren achtzigsten Geburtstag gefeiert. Eine alte Dame, möchte man meinen. Doch unter ihresgleichen kann sie eher als junge Frau gelten. Schließlich hört sie auch erst seit zwanzwig Jahren auf ihren Namen: Christuskirche Utting. Aber der Reihe nach...

Vor gut einhundert Jahren, um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, war lediglich ein verhältnismäßig geringer Anteil der Uttinger Bevölkerung evangelisch. Die überwiegende Mehrheit der Einwohnerinnen und Einwohner gehörte der römisch-katholischen Kirche an. Dieses ungleiche Verhältnis hatte einen einfachen Grund: Die bayerischen Könige bzw. Fürsten hatten es seit der Reformation mit der altgläubigen Seite gehalten, und infolgedessen waren die Kernlande ihrer Herrschaft durch die Jahrhunderte hindurch katholisch geblieben. So auch das Gebiet westlich des Ammersees: Die alteingesessene Bevölkerung war katholisch, und erst der kontinuierliche Zustrom von Menschen aus anderen Teilen Europas führte dazu, dass sich allmählich auch evangelische Gemeinden bildeten.

In Weilheim und in Dießen hatte sich diese Entwicklung etwas rascher vollzogen als in Utting. 1899 war nach langen Vorbereitungen in Weilheim die evangelische Apostelkirche eingeweiht worden, ein Jahr darauf die Friedenskirche in Dießen. In Utting hingegen versammelten sich die Mitglieder der evangelischen Gemeinde zu dieser Zeit noch in verschiedenen Privaträumen, besonders häufig im Hause des Kirchenvorstehers Georg Lotter. Später wurden die Räumlichkeiten der hiesigen Volksschule für Versammlungen und Gottesdienste genutzt. Nach und nach etablierte sich Utting als eine feste Gottesdienststation des von Weilheim aus operierenden evangelischen Reisepredigers. Die Aufgabe solcher Reiseprediger bestand darin, die in der bayerischen Diaspora lebenden protestantischen Christinnen und Christen von Zeit zu Zeit in ihren jeweiligen Wohnorten aufzusuchen und dort mit ihnen evangelische Gottesdienste zu feiern.

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Im Jahre 1921 unternehmen einige Gemeindeglieder einen Schritt, der im Bemühen um ein eigenes evangelisches Kirchengebäude in Utting den entscheidenden Durchbruch bringen soll: Sie gründen den Evangelischen Verein Utting. Mit Hilfe dieses Vereins gelingt es den Protestant(inn)en in Utting, ihre Kräfte wirkungsvoll zu bündeln und so bereits fünf Jahre später ein geeignetes Gelände für den Bau einer Kirche zu erwerben. Im darauffolgenden Jahr, 1927, ist es dann endlich so weit: Nach den Plänen des Uttinger Schlossermeisters Geiß sowie des Schondorfer Architekten Gradl und unter aktiver Mithilfe zahlreicher Gemeindeglieder kann der Evangelische Betsaal Utting errichtet werden. Das Gebäude besitzt zwar noch keinen Glockenturm, sondern lediglich einen Dachreiter, es verfügt jedoch schon auf der linken Seite seines hinteren Teils über einen kleinen Gemeinderaum, in dem Kindergottesdienst, Bibelstunden und Chorproben stattfinden können. In seiner Architektur lehnt sich der Bau an Vorbilder aus den Karpaten und dem skandinavischen Raum (und zwar an sog. Holzknüppelkirchen) an. Über seinem Eingang prangt ein Zitat aus dem Hebräerbrief: Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe in Ewigkeit (Hebräer 13,8). Am 10. Juli desselben Jahres wird der Evangelische Betsaal feierlich eingeweiht – unsere Christuskirche erblickt quasi das Licht der Welt!

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Vier Jahre später kann der rührige Evangelische Verein einen weiteren wichtigen Erfolg verbuchen: Der Betsaal wird um einen von dem Augsburger Architekten B. Gößwein entworfenen Glockenturm erweitert und mausert sich somit – nach landläufigen Maßstäben – zu einer richtigen Kirche. Am 19. April 1931 werden die drei Glocken geweiht, die der neue Turm von nun an beherbergt. 

In den folgenden fünfzig Jahren verändert sich das Gesicht der Evangelischen Kirche in Utting allenfalls geringfügig. Erst als 1978 die Mitgliederzahl der Gemeinde dauerhaft die 3000er Marke übersteigt und der Raummangel in Utting deutlich spürbar wird, gründet sich auf Initiative von Pfarrer B. Busch einFörderverein Gemeindezentrum Ammersee-West. Ziel dieses Vereins ist es, der Uttinger Kirche ein Gemeindehaus an die Seite zu stellen. Auf diese Weise soll eine tragfähige Grundlage für den Ausbau der Gemeinde und ihrer Aktivitäten geschaffen werden. Zunächst werden zu diesem Zweck der Turm und die Fundamente der Kirche – überwiegend in Eigenregie – saniert. 1981 können diese Arbeiten abgeschlossen werden. In einem zweiten Schritt wird sodann die eigentliche Aufgabe, die Errichtung eines Gemeindehauses,nach eigenen Entwürfen verwirklicht.

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Am 17. Juli 1983 kann dieser Bau feierlich in Gebrauch genommen werden. Damit ist schließlich die wichtigste Voraussetzung dafür erfüllt, dass in einem dritten Schritt eine Renovierung der Uttinger Kirche in Angriff genommen werden kann. In der Zeit zwischen 1987 und 1990 bekommt die Evangelische Kirche Utting nicht nur ein anderes Aussehen, sondern auch einen neuen Namen.

Am 5. Juli 1987 wird sie auf dem Gemeindefest offiziell in Christuskirche Utting umbenannt. Die Wiedereinweihung des nach den Plänen des Uttinger Architekten W. E. Lüps neu gestalteten Innenraums erfolgt am 1. Advent 1988. Die Reaktionen auf das bauliche Endergebnis sind überwiegend positiv. Doch es gibt auch Kritik: Einige vermissen die alten, lieb gewonnenen Kirchenbänke. Andere bemängeln den hellen, modernen Charakter des Raumes und sprechen daher gar von einer Bistrokirche. Im Großen und Ganzen jedoch lebt sich die Gemeinde schnell in ihrem neuen Gottesdienstraum ein. Schließlich wird am 15. Juli 1990 die neue, vom Orgelbaumeister A. Staller aus Grafing gefertigte Orgel offiziell in Dienst genommen, deren Klang das Harmonium aus früheren Tagen schnell vergessen macht. Mit diesem Tag hat die Baugeschichte der Christuskirche Utting ihren vorläufigen Endpunkt erreicht.

Schnell vor Ort waren die Feuerwehren aus Utting, Dießen und Schondorf, als es am 25. Januar 2018 in einem Kellerraum des Gemeindehauses in Utting brannte. Ebenso schnell hatten sie den Brand unter Kontrolle und der Schaden am Gebäude blieb Gott sei Dank begrenzt. So konnten in der Christuskirche bereits wieder ab dem nächsten Tag Gottesdienste stattfinden. Am allerwichtigsten aber ist, dass keine Person verletzt wurde.

Der kleine Überblick dürfte gezeigt haben, dass die Geschichte der Christuskirche Utting bedeutend schneller erzählt ist als etwa die der altehrwürdigen Schondorfer Kirche St. Jakob am See. Unsere Kirche gleicht insofern tatsächlich eher einer jungen Frau als einer älteren Dame. Doch ganz egal, welchen Vergleich man bevorzugt: Über jeden Zweifel erhaben ist der besondere Charme unserer Jubilarin! Das bestätigen uns immer wieder die Brautpaare, die eigens wegen unseres Geburtstagskindes ihre Hochzeit in Utting feiern. Ich denke, wir durften nicht zuletzt uns selbst am 10. Juli 2007 beglückwünschen: zu einer solchen Kirche